Bei einem Treffen von Interessierten am 15. Juni 2018 an der Universität Bonn wurde die familienrechtspsychologisch-diagnostische Arbeitsgemeinschaft, kurz famdiAG, gegründet.

Informationen zur famdiAG als Download

 


Problemstellung

Seit Langem wird kritisiert, dass in der Praxis der familienrechtspsychologischen und beziehungspsychologischen Diagnostik Verfahren zum Einsatz kommen, welche große Defizite aufweisen. Die aktuell erhältlichen und verwendeten Verfahren sind oftmals veraltet und weisen Mängel hinsichtlich der theoretischen Fundierung, Standardisierung, Normierung oder Validierung auf. Für viele relevante Konstrukte stehen keinerlei wissenschaftlich fundierte diagnostische Verfahren zur Verfügung.

 


Ziele der famdiAG

Das Ziel der famdiAG ist es, dieses altbekannte Problem nicht nur zu beklagen, sondern auch zu seiner Lösung beizutragen.
Hierfür sollen beziehungs- und familienrechtspsychologische Verfahren neu entwickelt oder vorhandene Verfahren modernisiert und validiert werden. Dabei soll die ganze Bandbreite der vorhandenen Methoden abgedeckt werden: Fragebogenverfahren, Leistungstests, Verhaltensbeobachtungen, strukturierte und semistrukturierte Interviews, reaktionszeitgestützte Verfahren sowie indirekte Verfahren und Verhaltensproben.
Bei der Entwicklung und Validierung diagnostischer Verfahren im Bereich der Familien- und Beziehungsdiagnostik ergibt sich jedoch ein Hindernis: wissenschaftlich arbeitende AutorInnen von Verfahren haben kaum Zugang zu den relevanten Populationen (z.B. in Trennung lebende Eltern mit ihren Kindern). Dies erschwert die empirische Überprüfung der Eignung von Verfahren. Dieses Hindernis kann nur überwunden werden, indem AutorInnen von Verfahren, potenzielle NutzerInnen der Verfahren (wie z.B. psychologische Sachverständige und PsychotherapeutInnen) und interessierte Studierende, die Bachelor- und Masterarbeiten in diesem Bereich anfertigen wollen, zusammengebracht werden, um gemeinsam die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Verfahren voranzutreiben.

 


Mitgliedschaft in der famdiAG

An der famdiAG können Interessierte mitwirken, die zu einer der folgenden vier Gruppen gehören:

1. AutorInnen, ÜbersetzerInnen und WissenschaftlerInnen
Mitglieder dieser Gruppe arbeiten an der Entwicklung, Übersetzung und/oder Validierung von familiendiagnostischen Verfahren.

2. AnwenderInnen von familiendiagnostischen Verfahren
Zu dieser Gruppe gehören in der Praxis arbeitende psychologische Sachverständige, psychologische PsychotherapeutInnen, PsychologInnen in Erziehungsberatungsstellen oder anderen Einrichtungen, die in ihrer täglichen Arbeit beziehungs- oder familienrechtspsychologische Verfahren einsetzen und Interesse daran haben, geeignete diagnostische Verfahren für ihre eigene Arbeit zu erhalten und zu ihrer Entwicklung beizutragen. Ihre Aufgabe ist es, neue Verfahren zu erproben und Daten zur Validierung in anonymisierter und den Datenschutzrichtlinien und ethischen Grundsätzen entsprechender Form für die wissenschaftliche Forschung und Evaluation zu erheben.

3. Studierende und PraktikantInnen
Bei der famdiAG können Psychologiestudierende aller Universitäten und Hochschulen bei laufenden Projekten zur Entwicklung und Validierung von Tests mitwirken, um im familienrechtspsychologischen oder klinischen Bereich Praxiserfahrung zu sammeln und ggf. Bachelor- oder Masterarbeiten anzufertigen. Ihre Aufgabe ist es, WissenschaftlerInnen und AnwenderInnen zu assistieren.

4. UnterstützerInnen
Wir würden uns freuen, wenn interessierte Privatpersonen, ExpertInnen und Fachverbände (z.B. Elternvereine, Selbsthilfegruppen, JugendamtmitarbeiterInnen, HausärztInnen, PsychiaterInnen, FamilienanwältInnen) das Anliegen der famdiAG unterstützen würden, indem sie in ihrem jeweiligen Umfeld über die famdiAG und ihre Ziele informieren und weitere aktive Mitglieder werben.

 


Struktur der famdiAG

Die famdiAG ist keine formelle Organisation (Verein, Institut oder Firma), sondern ein informeller Zusammenschluss von Personen, die aktiv an der Entwicklung von Verfahren mitwirken wollen. Angehörige der o.g. Gruppen werden über einen Mailverteiler regelmäßig über alle Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft und insbesondere über spezifische Projekte informiert. Das Ziel eines Projektes ist i.d.R. die Entwicklung und/oder Validierung eines spezifischen diagnostischen Verfahrens. Jedes Projekt hat eine/n oder mehrere wissenschaftliche LeiterInnen, die die Aktivitäten der an diesem Projekt beteiligten Personen koordinieren.
Die famdiAG kann für die Organisation der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder auf die Infrastruktur und die technischen Möglichkeiten des M. Sc. Rechtspsychologie der Universität Bonn (Prof. Dr. R. Banse) und der Arbeitsgruppen Gesundheitspsychologie (Prof. Dr. C. Salewski) und Sozialpsychologie (Prof. Dr. S. Stürmer) der Fernuniversität Hagen zurückgreifen. Auf der Homepage des M. Sc. Rechtspsychologie werden Informationen zur famdiAG und zu aktuellen Projekten bereitgestellt. Die Mitgliedschaft und die Projekte der famdiAG werden von einer Koordinatorin betreut.